Desiree Washington

Aus Falschbeschuldigung
Version vom 14. August 2016, 11:36 Uhr von Mus Lim (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Desiree Washington (1992)

Desiree Washington (* 1973), Kandidatin der Miss Black America[wp]-Wahl, hatte den Boxchampion Mike Tyson[wp] beschuldigt, sie am 19. Juli 1991 zwischen zwei und vier Uhr morgens im Canterbury Hotel in Indianapolis vergewaltigt zu haben. Zum Zeitpunkt des Überfalls war sie 18 Jahre alt.

Er wurde für schuldig befunden und im Frühjahr 1992 zu sechs Jahren Haft verurteilt, von denen drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Schuldspruch basierte auf Indizien und der Aussage des Opfers, die die Richter für glaubwürdiger befanden als die Aussagen des mehrfach vorbestraften Tyson sowie der Eltern des Opfers.

Selbst beim Tod seines Vaters durfte Tyson nicht an der Beerdigung teilnehmen.[1]

Desiree Washington als Miss-Kandidatin

Hintergrund in Auszügen

Zitat: «Tyson ist der Prototyp des Protzers, arrogant und immer Macho, der nur eine Sprache kennt: Ghetto-talk. So wirkte er auch im Verfahren auf die Geschworenen, mal verkrampft und dann doch wieder überheblich, ein Schlägertyp im dunkelblauen Zweireiher. [...]

Desiree Washington dagegen schien sachlich und glaubwürdig, als sie erklärte, sie wolle kein Geld, keinen Schadensersatz, nur Gerechtigkeit. Für diese Darstellung, klagt Anwalt Dershowitz, "hätte sie einen Oscar verdient".

Vier Geschworene, die Tyson für schuldig befunden hatten, recherchierte ein Reporter der Fernseh­gesellschaft NBC, würden nach Enthüllungen über das Privatleben und angesichts der Schadens­ersatz­forderungen des Tyson-Opfers Washington "jetzt wahrscheinlich anders entscheiden". "Wahrscheinlich", rief Tyson, als ihm der Journalist die Nachricht übermittelte, "aber Tatsache bleibt: Ich sitze hier."

Die Lebensgefährtin des vor Jahren verstorbenen Tyson-Entdeckers und -Förderers Cus D’Amato[wp] beschied er: "Ich will nicht, daß du mich hier so siehst." Auch sonst läßt er nur wenige Besucher an sich heran: Spike Lee etwa, den schwarzen Regisseur, Sängerin Whitney Houston[wp], auch Betty Shabazz[wp], die Witwe des Revolutionärs Malcolm X[wp][1]

Zitat: «Interview mit Rechtsanwalt Alan Dershowitz über Mike Tyson und seine Richter
Dershowitz: Aber die Richterin lehnte drei Zeugen ab, wahrscheinlich die wichtigsten des gesamten Verfahrens. Sie erinnern sich
Im Hotelzimmer gab es keine Zeugen - Tysons Wort steht gegen das Wort von Desiree Washington. Daher wäre das, was sich in den Minuten zuvor in der Limousine und auf dem Weg in das Zimmer ereignete, von entscheidender Bedeutung gewesen.
SPIEGEL: Desiree Washington behauptet, sie habe Tyson nie berührt.
Tyson hingegen sagte unter Eid aus, daß es im Auto zum Austausch von Zärtlichkeiten, zum sexuellen Vorspiel kam. Hand in Hand gingen sie in das Hotel - und das wollen die drei Zeugen beobachtet haben. Das wäre folglich der Beweis
Sie hat gelogen, und Tyson hat die Wahrheit gesagt.
[...]
[...] Mike Tyson wurde den Geschworenen allerdings wie das rassistische Stereotyp eines Schwarzen vorgeführt
triebhaft, kräftig, ungebildet, muskulös, furchterregend. Die Geschworenen hatten buchstäblich Angst vor ihm. Obendrein wurde ihnen manche relevante Information vorenthalten.
Zum Beispiel?
Desiree Washington gab den Geschworenen zu verstehen, daß sie eine unberührte und unschuldige Frau gewesen sei, als sie Tyson begegnete. Sie sei weder auf Geld aus, noch habe sie irgendein Motiv zu lügen ...
... jetzt klagt sie auf 35 Millionen Dollar Schadensersatz.
Ja. Aber auch sonst ist sie nicht so unschuldig
18 Monate vor der Begegnung mit Tyson hatte sie sexuellen Verkehr mit einem weißen Mitschüler. Als ihr Vater das erfuhr, drohte er ihr: "Ich schlage dich tot!" Das Mädchen versuchte seine Haut zu retten mit der Behauptung: "Er hat mich vergewaltigt!" Als der Vater schon drauf und dran war, die Polizei anzurufen, beichtete es ihm die Wahrheit. Daraufhin hat er sie derart verprügelt, daß die Polizei ihn einsperrte.
Warum spielte diese falsche Vergewaltigungsanschuldigung von damals im Verfahren keine Rolle?
Die Richterin ließ es nicht zu. Folglich wußten die Geschworenen nichts davon. Wenn wir heute diesen Prozeß noch einmal durchführen würden, wäre Tyson in zehn Minuten freigesprochen, so viele neue Beweise und Zeugenaussagen liegen uns vor. Immerhin haben wir eins schon erreicht
Das Berufungsgericht Indianas prüft, ob die Staatsanwaltschaft Beweise unterdrückt hat.
Wenn die Indizien so eindeutig für Tysons Unschuld sprechen, warum rührt sich dann das amerikanische Rechtsbewußtsein nicht?
Der Bürgerrechtler Jesse Jackson und auch Magic Johnson haben mich angerufen, um ihre Sympathie für Tyson auszudrücken. Aber so einfach ist das nicht
Der Fall eignet sich nicht für eine eindeutige Empörung über das Unrecht. Früher war die Verteidigung der wegen Vergewaltigung Angeklagten recht einfach - die Opfer wurden nicht gerecht behandelt. Heute schlägt das Pendel stark in die entgegengesetzte Richtung. Man kann Verständnis für einen Dieb oder einen Mörder zeigen - aber nicht für einen Vergewaltiger.
Haben sich deshalb die Medien nicht für Tyson eingesetzt?
Die Mehrheit der Zeitungen interessiert sich nicht für Verfahrensfehler oder Falschaussagen, sondern rätselt lieber: "Was geschah im Hotelzimmer?" Für einige Blätter war dieser Fall nur eine Sportgeschichte.»[2]
Zitat: «In einem Interview mit dem TV-Sender Fox News erklärte sich Tyson erneut für unschuldig, im Jahre 1991 die ehemalige Schönheitskönigin Desiree Washington vergewaltigt zu haben. Allerdings wäre Washington heute kaum vor ihm sicher: "Ich hasse sie dafür, dass sie dieses Ding durchzieht. Heute möchte ich sie tatsächlich vergewaltigen."»[3]
Zitat: «Interview von Gunnar Meinhardt mit Mike Tyson
Welt Online: Unter anderem saßen Sie wegen Vergewaltigung fast drei Jahre im Gefängnis.
Tyson: Eine jämmerliche Drecksau von einer Frau hat mich hinter Gitter gebracht. Sie weiß genau, dass ich unschuldig bin. Und ich bin es auch, ich schwöre es ihnen, immer und immer wieder.»[4]
Zitat: «Der Schauspielerin Robin Givens[wp] wirft er vor, ihn ausgenutzt und Schuld an seinem Absturz zu haben. "Ich hätte von Anfang sehen müssen, was mit ihr los war", schreibt Tyson über die erste Begegnung mit Givens, die mit ihrer Mutter Ruth zum ersten Rendezvous erschienen sei. "Sie waren auf der Jagd nach einem reichen, schwarzen Promi", sagt Tyson heute.

Damals ah er die Gefahr nicht. "Meine sozialen Kontakte bestanden damals darin, dass ich andere Männer ins Koma schlug", schreibt Tyson in Anspielung auf seine gesellschaftliche Außen­seiter­stellung. Deshalb sei er auch begeistert gewesen, dass eine so gebildete Frau wie Givens etwas von ihm wollte.

Elf Monate nach dem ersten Treffen heirateten die beiden. Doch nachdem Givens in einem gemeinsamen Fernseh­interview über ihren Mann gesagt hatte, sie habe "Angst vor seinem Temperament", war die Beziehung 1989 bereits am Ende. Die Trennung erschütterte Tyson. Zum Boxen hatte er keine Lust mehr, er ging lieber auf Partys und ertränkte sein Leid in Alkohol, Drogen und Sexorgien. "Meine Freunde mussten mir immer neue Frauen besorgen", schreibt er über seinen Absturz, bei dem er am Ende im Gefängnis landete. Die Schönheits­königin Desiree Washington hatte ihn beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.

Und auch wenn Tyson seine Unschuld beteuerte, wurde er 1992 zu sechs Jahren Haft verurteilt. "Ich habe hinter Gittern Dinge gesehen, die ich zuvor für unmöglich gehalten habe", schreibt Tyson.»[5]

Zitat: «Den Part des Opfers übernimmt ein unbedarfter Teenager: Favoritin in der damaligen Miss-Wahl, treue Kirchgängerin, die ein Softballteam trainiert und freiwillig geistig Zurückgebliebene betreut. Desiree Washington verkörpert das Gute noch eindrucksvoller als Tysons sportlicher Rivale, der amtierende Weltmeister und Saubermann Evander Holyfield[wp].

Auf der anderen Seite steht der brutale Schläger Tyson, der in den letzten vier Jahren dreimal wegen Sexual­delikten vor Gericht stand und sich brüstete, seine Ehefrau ausgeknockt und ihren Kopf gegen die Wand geschlagen zu haben. Selbst der isolierteste Geschworene kann einem Angeklagten kaum vorurteilsfrei begegnen, der gern daran denkt, "jemandem einen Eispickel ins Ohr zu schlagen, die Augen auszustechen oder die Lippen abzureißen".

Tyson verkörpert den Prototyp jenes Schwarzen, vor dem amerikanische Eltern ihre Kinder stets warnen. Seine landesweite Unbeliebtheit gipfelt darin, daß er als einer der wenigen populären Boxer keinen Sponsor fand - nicht einmal ein Ketten­sägen­hersteller mochte mit dem Faust­kämpfer werben.

Das Image vom Bösewicht hatten Tysons Berater gezielt aufgebaut. Getreu der Boxerregel, daß sich ein Buhmann besser verkauft als ein netter Kerl, übernahm Tyson in jedem Kampf die Rolle des Bad boy: Das Böse kultivierte er zum Markenzeichen; die soziale Ächtung gehörte zum Marketing­konzept. [...]

Der Champ von einst, der seine Gegner so fachmännisch zermalmte, ist zum Abschuß durch die öffentliche Inquisition freigegeben. [...]

Der Veranstalter jener Miss-Wahl forderte wegen Rufschädigung 607 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Vorjahressiegerin Rosie Jones will sich mit 100 Millionen Dollar begnügen, weil Tyson "mir perverse Dinge ins Ohr flüsterte". Zehn weiteren Teilnehmerinnen sei erst nach Einreichen der Klage eingefallen, daß auch sie von Tyson belästigt worden seien. [...][6]»

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Boxen: Einer vom Sklavenschiff, Der Spiegel am 31. Januar 1994
  2. Sie hatten Angst vor ihm, Der Spiegel am 31. Januar 1994 (Interview mit Rechtsanwalt Alan Dershowitz über Mike Tyson und seine Richter)
  3. Kriminalität: Tyson droht Vergewaltigter mit neuer Vergewaltigung, Der Spiegel am 30. Mai 2003
  4. Mike Tyson: Ich war mit dem Teufel in der Hölle unterwegs, Die Welt am 1. Januar 2012 (Interview von Gunnar Meinhardt mit Mike Tyson)
  5. Michael Remke: Autobiographie: Tyson gibt der Ex die Schuld für seinen Absturz, Die Welt am 30. Oktober 2013 (Bei dieser Vita lohnt sich eine Autobiografie. Mike Tyson berichtet aus seinem Leben. Von Sex, Drogen, dem Knast und seinen großen Boxkämpfen. Für seinen Absturz hat er eine Schuldige ausgemacht.)
  6. Endgültig vernichten, Der Spiegel am 27. Januar 1992, S. 202-204

Netzverweise